Ungefähr 16 % der Deutschen gelten als armutsgefährdet. Umso wichtiger ist es, sich um Menschen mit geringen finanziellen Mitteln zu kümmern. Ein Angebot stellt das Sozial-Cafè "Offener Treff mit Herz" in Duisburg-Neumühl. Am 15. März war es endlich so weit. Wir feierten die Eröffnung unseres „Sozial-Cafés „Offener Treff mit Herz“. Über 200 Gäste feierten mit uns. Das große Echo, hat mich sehr gefreut.

Bis dahin war es ein langer Weg. Seit 2 Jahren waren wir auf der Suche nach einem geeigneten Lokal. Viele Objekte wurden besichtigt, Verhandlungen geführt, gerechnet und kalkuliert. Als ich dann erfuhr, dass das Friseurgeschäft umzieht, welches direkt neben meinem Gemeindebüro liegt, stand für mich fest hier entsteht das Café.

Kein leichtes Unterfangen aus einem Friseursalon ein Café zu machen. Unter der Federführung von Architekt Manuel Wilke und der Unterstützung von Architekt Gerd Westerwelle von der Deichmann-Stiftung, wurden Umbaupläne entworfen, Kosten ermittelt, Anträge bei der Stadt gestellt u.s.w. Jetzt stand ich „nur“ noch vor der großen Frage der Finanzierung. Großes Glück oder war es Fügung?! Die Immobilie gehört der Pfarrei St. Norbert. So konnten wir schon mal einen günstigen Mietzins für das Café erhalten. Aber es musste immerhin ein Betrag von 125.000 Euro gestemmt werden. Es wurden Stiftungen angeschrieben.

Von Aktion Mensch erhielten wir letztendlich eine Förderung in Höhe von ca. 24.000 Euro. Die Stiftung Deichmann unterstützte uns durch verschiedene Unternehmen, die mit Deichmann zusammenarbeiten. Und dann war da auch noch mein runder Geburtstag. Statt Geschenke, bat ich um Geldspenden. Auch hier kam eine beachtliche Summe von ca. 14.000 Euro zusammen. Viele, die von unserem Vorhaben überzeugt waren, haben uns unterstützt.

Ein großer Dank an alle Personen, die durch ihre Spende und Hilfe es ermöglichten, dass wir unser Vorhaben in die Tat umsetzen konnten. Auch ein großes Dankeschön, an die vielen ehrenamtlichen Helfer- und Helferinnen, ohne die wir die Kosten nicht hätten stemmen können.

Alles lief eigentlich rund. Bis auf den Tag, als man mir mitteilte, dass unsere Großküche, insbesondere unser Gasherd nicht zum Einsatz kommen darf. Grund dafür, dass eine Geruchsbelästigung durch Bratendämpfe etc. in den Innenhof vermieden werden müssen. D.h. wir müssen jetzt eine Lüftungsanlage mit Ventilator, die über das Haus geht, einbauen. Jetzt war guter Rat teuer, denn die Eröffnung stand vor der Tür.

Nach Beratung mit unserem Koch, sind wir übereingekommen vorübergehend auf einem Induktionsherd die Gerichte zu zubereiten. Der Ersatz Elektroherd, hat nur 2 Kochplatten. Für den Anfang dachten wir, dass dies ausreichen würde. Niemand ahnte zu dem Zeitpunkt, dass wir zu Mittag so viele Gäste bewirten dürfen. Mittlerweile haben wir bis zu 30 Essen über Mittag und häufig kommt aus der Küche der Satz: „Wir sind ausverkauft!“.

So mancher Gastronom träumt von so einer Aussage. Wir freuen uns natürlich darüber, dass unsere Angebote so gut angenommen werden. Aber das Zubereiten der Speisen ist über Strom sehr kostenintensiv und für den Koch bedeutet das eine „echte Herausforderung“, da viele Speisen aufgrund der Geruchsbelästigung einfach nicht angeboten werden können und so manchen bedürftigen Gast mussten wir mit hungrigen Magen wieder gehen lassen. Die Lüftungsanlage kostet uns nochmals ca. €30.000,--. Bisher haben wir €15.000,-- an Spenden bekommen. Somit bleibt noch eine Finanzierungslücke von €15.000,-- Für jede noch so kleine Spende, bin ich sehr dankbar.

Nach 3 Monaten kann ich jetzt schon eine kleine Zwischenbilanz ziehen:

Täglich besuchen das Café im Durchschnitt ca. 60 Gäste. Das Publikum ist ganz gemischt von jung bis alt. Wir verfügen jetzt schon über viele Stammkunden, die sich morgens zum frühstücken oder nachmittags zum Café und klönen treffen. Der Satz „‘n aufgeschobenen Bitte“ hört man immer häufiger, so dass wir vielen Menschen ein kostenloses Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen weitergeben können. Zu Mittag kommen sehr viele ältere Mitbürger, deren Rente sehr gering ist.

Für Gäste, die am Existenzminimum leben, bieten wir eine nochmalige Ermäßigung auf unsere Preise an. Obdachlose erhalten Speisen und Getränke kostenlos.

Kirchenfernstehende junge Familien haben durch das Cafè neuen Zugang zur Herz-Jesu Gemeinde gefunden. Sie erleben Kirche ganz neu und jeden Tag präsent. Viele seelsorgliche Gespräche finden jeden Tag mit jung und alt statt. Mehrere Taufen konnten bereits terminiert werden. Der Standort des Gemeindebüros, direkt neben dem Cafè, ist hier besonders vorteilhaft.

Dadurch, dass das Café so gut angenommen worden ist, ergab sich für mich noch eine weitere sehr positive Entwicklung und zwar die Schaffung von Arbeitsstellen.

Die neuen Mitarbeiter möchte ich Ihnen gerne kurz vorstellen:

Für den Servicebereich ist Georgia Tepaß zuständig.

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Das BFJ (Berufsfreiwilligenjahr) absolvieren 4 Personen im Sozial-Café und 2 weitere Personen üben einen 2 €uro Job aus.

Und nicht zu vergessen die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen (zur Zeit 11).

Fest etablierte Angebote sind:

Jeden letzten Freitag im Monat von 15.00 bis 16.00 Uhr findet die offene Rechtsberatung statt. Herr Kojima, Fachanwalt für Soziales gibt Antworten auf Fragen und Probleme aus dem sozialen Bereich.

Unsere Sozialarbeiter Lars Altenschmidt und Christel Harloff stehen jeden Tag für die bedürftigen Menschen zur Verfügung und bieten ihre Beratung, besonders Hartz IV-Beratung, im Cafè und in der Beratungsstelle, die sich direkt nebenan befindet, an.

Weiterhin besteht jeden Dienstag die Möglichkeit seine Kreativität auszuleben. Martina Trey steht von 14.00 – 16.00 Uhr mit Rat und Tat zu verschiedenen Bastelarbeiten zur Verfügung.

Ein Ausleih-Bücherschrank, mit vielen verschiedenen Büchern, steht im Cafè zur freien Verfügung.

Das Stadtfernsehen "Studio 47" hat bereits einen Beitrag am 28.05.2014 im Fernsehen gezeigt.

Schauen Sie sich hier den Film an: